Großer Erfolg für den kleinen Mann

Wednesday, September 21. 2005
Gestern war es soweit: Wandlung!

Nein, nicht so etwas, wie Kafka in Die Verwandlung schrieb, sondern der Rücktritt vom Kaufvertrag

Wirklich fast vom ersten Tag an hat uns der hübsche dunkelblaue Jahreswagen Ärger gemacht.

Erst war es die Zentralverriegelung, die von einem bösen Geist besessen schien und die selbsttätig während der Fahrt öffnete und schloss, öffnete und schloss, öffnete und schloss, öffnete und schloss, öffnete und schloss.

Dann der CD-Player, der nicht merkte, dass es reicht, ein und dieselbe CD einmal auszuwerfen, statt ein Dutzend mal.

Und am allerschlimmsten: Manchmal, da wollte es einfach nicht mehr weiterfahren nach einer kurzen oder langen Pause. Nein, meinen Motor start ich nicht - schon gar nicht nachts um eins in Heidelberg. Oder mit dem Kofferraum voller Getränkekisten an einem Bahnübergang.

Das Problem: Der Vorführeffekt schlug voll zu - immer wenn das Auto in der Werkstatt war, sprang es prima an.

Wir haben Mails geschrieben, an das Autohaus und die Schiedsstelle, den Pannendienst.
Wir haben Briefe geschrieben, an das Autohaus, die Schiedsstelle, den Pannendienst und an den Hersteller.
Wir haben Briefe bekommen, böse Briefe zumeist, von.... ja, vom Autohaus, der Schiedsstelle, dem Pannendienst, und dem Hersteller.
Wir haben telefoniert mit Kfz-Mechanikern, Geschäftsführern, Sachbearbeitern und Helpdesks.
Wir haben Postings geschrieben, ins Usenet und in Webforen.
Wir haben Schlachtpläne entworfen und verworfen.
Wir haben daran gedacht, den AutoBild-Kummerkasten einzuspannen oder die Frankfurter Rundschau - oder beide.
Wir haben geflucht und hysterisch gekichert.

Und gestern haben wir recht bekommen.

Die Schiedskommission hat entschieden: Der Geschäftsführer des Autohauses überweist uns den Kaufpreis zurück - abzüglich eines Abschlages für die 10.000 Kilometer, die wir dann doch mit dem Auto fahren konnten.

Wir hätten nicht mehr damit gerechnet.

Erstmal macht sich große Erleichterung breit, doch dann die Frage: wie vermeiden wir es, beim nächsten Mal wieder an ein Montagsauto zu geraten?

Als ich 1997 meinen Lancia gekauft hab, bin ich recht blauäugig daran gegangen, denn meine Überzeugung war: "Wenn man von einem Autohaus einen Jahreswagen kauft, kann man eigentlich nicht wirklich tief ins Klo greifen." Diese Gewissheit habe ich nach den Erlebnissen des letzten Dreivierteljahres nicht mehr.

Moderne Autos scheinen zu elektronikverseuchten Zicken geworden zu sein, die ihre Capricen hemmungslos an ihren Fahrern ausleben und unberechenbar ihre schlechte Laune kultivieren, wenn man am wenigsten damit rechnet.

Fahrradfahren ist keine Alternative. S-Bahnfahren auch nicht. Und Stadtmobil?

Ich denke, wir werden hier noch einige Gedankenarbeit leisten müssen.

Bis dahin kröte ich weiter mit meinem rosaroten Spielmobil herum, so lang die Reifen tragen.
Und Martin nutzt die dekadente Limousine, die ich Ende 2003 geerbt habe und die wir schon lang hatten verkaufen wollen, eigentlich.