Was tun bei Vitamin-B-Mangel? Oder: Die Chancen des eigenen Netzwerkes - Teil 2

Wednesday, September 26. 2012
Foto: Nina Aldin Thune

Hier geht es weiter, das Gespräch, das Heiko Harthun und ich geführt haben und dessen erster Teil in seinem Blog zu lesen war:

Heiko Harthun: Du richtest den Blick also zuerst nach außen oder "hinten", weg von der aktuellen Situation, um dann den Bogen zurück zu schlagen?

Martina Diel: Ja, denn alles andere lähmt. Das Denken bewegt sich in den gewohnten Bahnen, in denen es sich oft schon lange bewegt. Ich habe ja auch oft Kunden, die nicht nur Hilfe beim Jobfinden brauchen, sondern auch dabei, überhaupt erst einmal herauszufinden, was sie wirklich wollen und können.
Mancher kann das gar nicht sagen, was er denn wirklich gern tut, und wenn man dann den Umweg geht über die Frage "Wie sieht ein echter Alptraumtag im Job für mich aus?", dann kann man sich den Präferenzen darüber auch gut nähern. Und natürlich auch den Stärken.
Wie löst du denn die Fixierung auf das "Es geht nicht!"?

Heiko Harthun: Meist ist die Arbeitslosigkeit bei meinen Kunden eher das kleinere der vorhandenen Probleme. Deshalb versuche ich meist, einen Weg einzuschlagen, der erstmal von Ihnen selbst wegführt bzw. nichts mit ihnen zu tun hat. Meist, indem ich einen fiktiven Charakter erfinde und eine Situation aufbaue, in der mir die Kunden raten sollen, wie unser fiktiver Charakter vorgehen sollte.
Das hat dann erst einmal nichts mit dem eigenen Leben zu tun und wenn es eine Gruppe ist, kriege ich sie so auch dazu, miteinander zu diskutieren.
Bei reinen Einzelcoachings kommt es auf den Auftrag an. Wenn der Kunde will, dass es knirscht und Reibungsfläche gibt, dann bleibe ich auch gerne bei ihm und wir versuchen die Fallstricke zu finden, die ihn bisher aufgehalten haben.

Martina Diel: Hast du mal ein Beispiel für so einen fiktiven Charakter?

Heiko Harthun: Ja gerne. Junger oder alter Charakter?

Martina Diel: Jung.

Heiko Harthun: Dirk Mustermann, Tischler, 23 Jahre alt. Weiß was er will, nämlich einer der besten Möbelrestaurateure Deutschlands werden. Nach der Ausbildung hat er den Betrieb gewechselt, um in einem zu arbeiten, der mehr mit antiken Möbeln macht.
Dort ist er mit seinem Wissensdurst jedoch ziemlich schnell angeeckt und hat nach einem halben Jahr wieder wechseln müssen. Hat jetzt nur noch eine halbe Stelle mit 25 Wochenstunden, nutzt die Zeit nebenher aber, um bei der IHK und der VHS Kurse zu besuchen, Metallbeschläge aus Edelmetallen herstellen, Kunstintarsien und solche Dinge.
Was sollte er als nächstes tun, um seinen Traum zu verwirklichen?


Martina Diel: Interessant, aber ist das nicht schon ganz schön komplex?

Heiko Harthun: Interessanterweise nicht. Ich nehme oft einen ziemlich komplexen Charakter, damit zum einen jeder auch einen Punkt finden kann, an dem er ansetzen kann, ein Erfolgserlebnis generieren kann. Und zum anderen, damit ich irgendwann die Bedeutung von klar definierten Zielen hervorheben kann.

Martina Diel: Aber es stimmt: jemand anderem zu raten ist immer einfacher. Das systemische Coaching arbeitet ja auch mit Perspektivwechseln. Es ist ja ungemein wichtig, nicht zu viel selbst zu empfehlen, sondern die Leute selbst in die Verantwortung zu nehmen.

Heiko Harthun: Stimmt, die meisten kennen die Lösung ja.

Martina Diel: Und kommt da nicht "woher soll ich das wissen?"

Heiko Harthun: Erstaunlicherweise kommt fast immer eine impulsive Reaktion wie: "Arroganter XYZ! Der spinnt ja wohl!" oder "Der bringt es zu was! Den würde ich auf jeden Fall kennenlernen wollen." Und dann beginnt der eigentliche Prozess, Ressourcen zu entdecken und den angestammten Teufelskreis zu verlassen.

Zusammenfassend können wir wohl beide an dieser Stelle sagen, dass die Umgehung von Denkblockaden (das Verlassen eines Teufelskreises) auch hier der erste Schritt zum erfolgreichen Networking ist.


Martina Diel: Exakt. Viele sind fixiert auf das Stellenanzeigen finden, darauf, ganz viele Bewerbungen zu schreiben, alles aufzuhübschen - aber das ist eine Fixierung auf eine Methode und wenn man gut networken will, dann muss man auch mal eine andere Perspektive einnehmen und fragen "warum eigentlich nicht mal so rum"?"

Heiko: Richtig. Man selbst glaubt, das klappt immer nur bei anderen, sein eigenes Netzwerk sieht man meist (leider) nicht, genauso wenig wie die Chancen, die im eigenen Netzwerk liegen. Die werden einem erst bewusst, wenn man beginnt es zu erforschen und zu nutzen.

Eine Novität...

Monday, September 10. 2012
...hat es am letzten Freitag gegeben, als ich unterwegs zum Vortrag "Social Media und Selbstmarketing im Web 2.0" beim Verband der Konferenzdolmetscher in Heidelberg war:
ich bin zu spät gekommen!
Die Hausnummer 3a lag gegenüber der 76 - darauf bin ich nicht gekommen und so kam es, dass wir einen Kilometer weg geparkt haben und zurücklaufen mussten. Da wir eh knapp dran waren, sind wir erst um 19:10 Uhr an Ort und Stelle gewesen. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten ist der Vortrag dann aber doch gut gelaufen und ich denke auch, ich habe die Zuhörerinnen erreicht (ja, bis auf M. und M., die von meiner Seite aus dabei waren, waren nur Frauen zugegen).
Interessant bei dieser Zielgruppe: Networking konzentriert sich hier nicht so sehr auf potentielle Kunden, sondern auf Kollegen, die immer wieder in die Situation kommen, für Konferenzen Teams zusammenstellen müssen und dann natürlich auf diejenigen zurückgreifen, die ihnen im Gedächtnis präsent sind. Da hilft es, an dem "Wasserloch" zugegen zu sein, wo diese Menschen sich treffen. Ein Aspekt, den ich in künftigen Versionen des Vortrags berücksichtigen werde.

Und, liebe Leserinnen und Leser, gibt es Kommentare? Wie macht Ihr, wie machen Sie das?

Achja, nicht vergessen: die Folien zum Vortrag sind bei Ziele-Wege-Perspektiven zu finden: