Urlaub ist doof

...hab ich viele Jahre lang gefunden. Jedenfalls dann, wenn man ihn auf die übliche Weise verbringt - ob man nun eine Pauschalreise macht, oder auf eigene Faust mit Auto oder Zelt (oder mit beidem) loszieht, ob man sich in die Bahn setzt oder mit dem Flieger unterwegs ist, man sieht vorwiegend touristische Ziele und übernachtet, wo Touristen übernachten. Von der Lebenswirklichkeit der Menschen im jeweiligen Land, der jeweiligen Stadt bekommt man aber in Hotels und auf Campingplätzen, sogar in Bed & Breakfasts bestenfalls ein wenig mit. Genau das ist es aber, was mich interessiert und immer interessiert hat: wie arbeitet man in Frankreich? wie isst man in Spanien? wie fühlt es sich an, im Mittleren Westen der USA zu leben? Die Lösung: als Teenie war es der Schüleraustausch mit einem kleinen Kaff in der Normandie - dank der Gasteltern in Vimoutiers hab ich meinen ersten Champagner getrunken und gelernt, auch französische Babysprache zu verstehen. Das halbe Jahr in Paris später im Studium brachte auch einen Hauch Realität abseits touristischen Erlebens: ich habe im Quartier Latin am INA studiert, in der rue Mouffetard oder bei Ed l'Epicier eingekauft, jede Woche drei Filme im Original gesehen, bei Tati eingekauft und in der Mensa der Cité U billige Hammelfleisch-Gerichte und Merguez-Würste verschlungen wie die anderen Studenten auch. Später hab ich in meinen Urlauben, wann immer es ging, Freunde besucht, um so etwas vom Alltag mitzukriegen - Australien hab ich so ein wenig kennengelernt, bei China hat es leider nicht gereicht. Und jetzt - was täten wir ohne das Internet - gibt es die diversen Communities, über die man Haustausche [1]oder Homestays vermitteln. Bisher hab ich mich dazu, unsere Wohnung eine oder mehrere Wochen komplett unbekannten Menschen zu überlassen, noch nicht durchringen können, auch wenn ich noch nicht von einem Missbrauch gehört habe. Aber auch allein schon die Tatsache, dass man bei sowas die Vermieter und die Haftpflichtversicherung informieren sollte, lässt mich von sowas Abstand halten: Never touch a running system. Und so kam es dazu, dass wir uns vor ein paar Wochen bei Couchsurfing angemeldet haben: Da tauscht man nicht Wohnungen, sondern beherbergt einfach für einen Tag oder mehrere einen Couchsurfer, oder fragt selber wegen eines Besuches nach.[2] Und so hatten wir von vorgestern abend bis heute nacht um 2 als ersten Besucher Mala aus Neuseeland da, die seit Februar mit Rucksack und Gitarre auf einer Tour durch Asien und Europa ist. Ich kann nur sagen: das war ein voller Erfolg! Nicht nur, dass es keinerlei Probleme gab, sondern wir haben uns auch blendend unterhalten und einige Anregungen für kommende Urlaubsziele bekommen: Norwegen und Nepal stehen derzeit am höchsten im Kurs. Und wir haben die neuseeländische Version eines Curryhuhns hingezaubert bekommen und wissen jetzt, für was man Süßkartoffeln verwenden kann. Ein paar Bilder u.a. von unserer vorweihnachtsmarktlichen Tour durchs novemberliche Frankfurt gestern werde ich nachliefern. Nur so viel: es wird ein singender Elch darin vorkommen. [1] Hier gibt es noch mehr: Haustausch.de, Tauschhaus.org, b-each.de, Spacexchange.de [2] Oder auch Global Free Loaders oder Hospitality Club

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  1. Flupp says:

    Bei Euch lässt sich gut übernachten. Die Jungs haben das schon richtig gemacht ;-)


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