Monogamie, die zweitgrößte Geißel der Menschheit?

Zugegeben, der Titel ist etwas reißerisch. Aber wenn ich ARtikel wie diesen lese, wo es um den Umgang eines Vaters mit seinem Kind geht, dann geht mir echt der Hut hoch:

Die Kindsmutter klagte in Vertretung ihres Sohnes auf Umgang mit dem Vater, was das Amtsgericht ablehnte. Das Oberlandesgericht Brandenburg entschied dann aber 2004, dass der Vater das Kind unter Begleitung einer sachkundigen Vertreterin des Jugendamtes alle drei Monate treffen solle. Das hatte auch ein Sachver- ständiger vorgeschlagen. Im Weigerungsfall wurden dem Vater 25.000 Euro Zwangsgeld angedroht. Der Mann legte Verfassungsbeschwerde ein. Der persönliche Umgang habe das Scheitern seiner Ehe zur Folge und verletze sein Persönlichkeitsrecht.


(gefunden in der Frankfurter Rundschau)

Was ist das bitte für eine Ehe, die scheitert, wenn ein Vater sein Kind sieht? Wir reden nicht darüber, dass er weiter mit der Frau Sex hat, die die Mutter dieses Kindes ist, wir reden nicht davon, dass er Kontakt zu ihr hat - sondern wir reden von Kontakt zu seinem Kind! Wie kann eine erwachsene Frau eifersüchtig auf ein Kind sein, und ein erwachsener Mann sich davon erpressen lassen? Das sind wirklich kranke Auswüchse der hierzulande gepflegten Monogamie-Kultur, über die sich aber außer mir kaum jemand zu wundern scheint. Von den Kommentaren in der FAZ zum selben Thema nennt jedenfalls nur ein einziger diesen Aspekt beim Namen:

[..] falls es wirklich wahr sein sollte, daß die Frau den Kontakt zum Kind verbietet: ein Mann und Vater sollte sich so etwas nicht bieten lassen; schließlich geht es ja nicht um die Forsetzung des Ehebruchs, sondern um das Kind.
Sicherlich ist das eine schwierige Situation, aber eine Ehe, die so etwas nicht aushält, und die zur Stabilisierung solche Verdrängungskünste benötigt, dürfte ohnehin keinen langen Bestand haben. [..]

FAZ-Artikel

[1] Als die grösste Geißel der Menschheit hab ich ja auf meinem FFG-Vortrag schon den Perfektionismus entlarvt.

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Comments

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  1. Gabi says:

    Mal abgesehen davon, daß ich es schwachsinnig finde, den Mann zwingen zu wollen, sein Kind sehen zu müssen, wenn er es offenbar dermaßen verabscheut (meine Güte, das arme Kind ist doch ohne so einen Vater sicher besser dran!), tippe ich mal darauf, daß bei der Aussage, daß seine Ehe sonst zerbräche, viel an Vorschieberei dabei ist. Er sieht dann halt nicht ganz so wie ein Komplettarschloch aus, wenn er einen "guten Grund" (naja, der von der Frau geknechtete Mann ist halt ein gerngenutztes, weitverbreitetes Klischee) hat, als wenn er sagte, daß er einfach keinen Bock darauf hätte, das Kind zu sehen.

  2. Thilde says:

    Ja, natürlich wäre es schwachsinnig, den Mann zu zwingen.
    Andererseits gibt es eine ähnliche Situation im Bekanntenkreis, da hat das Jugendamt wohl mit einer ähnlichen Verpflichltung des Vaters argumentiert, und er hat sich davon bluffen lassen und sich (nach 10 Jahren Weigerung) bereit erklärt, sein Kind zu treffen. Immerhin hat es seinen Vater jetzt mal kennengelernt, und auch wenn sie nicht die tolle Beziehung aufgebaut haben, so ist die Neugier gestillt und ein Stück Identifikation erreicht.
    Was mich an dem Artikel so frappiert, ist die Tatsache, dass es offenbar als völlig normal akzeptiert wird, dass wegen sowas eine Ehe zerbrechen könnte, dass also das, was ich krankhafte Eifersucht nennen würde, weithin kommentarlos "durchgeht" bei der Bewertung dieser ganzen Sache.

  3. johmue says:

    > Ja, natürlich wäre es schwachsinnig, den Mann zu
    > zwingen.

    "Natürlich" würde ich so pauschal nicht sagen. Ich würde sogar so weit gehen, dass es nur in Ausnahmefällen nicht sinnvoll ist, ihn zu zwingen.


    > Immerhin hat es seinen Vater jetzt mal kennengelernt,
    > und auch wenn sie nicht die tolle Beziehung aufgebaut
    > haben, so ist die Neugier gestillt und ein Stück
    > Identifikation erreicht.

    Genau darum geht's. Die Neugier ist gestillt und die Gefahr, dass der Vater in der Vorstellung des Kindes idealisiert oder dämonisiert wird, ist erheblich gelindert.


    > Was mich an dem Artikel so frappiert, ist die Tatsache,
    > dass es offenbar als völlig normal akzeptiert wird, dass
    > wegen sowas eine Ehe zerbrechen könnte [...]

    Ich war im November in Karlsruhe bei der Anhörung dieses Falles vor dem BVerfG. Der Aspekt, dass die Ehe des Mannes durch Kontakt mit dem außerehelichen Kind in Gefahr wäre, wurde dort praktisch nicht diskutiert. Zu offensichtlich war es, dass das ein Vorwand ist. Jemand sagte, es sei ein Verstoß der Ehefrau gegen die eheliche Solidarität, sollte sie sich wegen dieses Kontaktes zum Kind scheiden lassen.

    Insofern wundert es mich auch, dass dieser Aspekt jetzt so in den Medien betont wird. Ich fände eine Diskussion über die Frage nach dem Kindeswohl im Zusammenhang mit erzwungenem Umgang viel sinnvoller.

  4. Thilde says:

    Ich fürchte, den Vater zu zwingen, führt zu einer sehr grossen Verletzungsgefahr für das Kind, wie es auch in der Urteilsbegründung ausgeführt wurde. Daher wäre mir das glaub ich zu sehr Vabanque-Spiel.

    Was du über den Prozess berichtest ist interessant. Vielleicht ist der Grund für die Betonung der Rolle der Ehefrau tatsächlich in dem Klischee zu suchen, das Gabi anspricht: dieser offensichtliche Vorwand wird gerne geglaubt.

  5. johmue says:

    Ich denke aber, die Verletzungsgefahr ist für das Kind auf lange Sicht sehr viel größer, wenn es den Vater nie kennenlernt. Lieber eine schlechte Erfahrung mit dem Vater und dann gut, als nie irgendeine Erfahrung mit dem Vater und nie gut.

  6. Azundris says:

    "Affäre" suggeriert doch, daß die Ehefrau nichts wusste, und kein Einverständnis gegeben hat. Es fand also ein Vertrauensbruch statt. Daß die Ehe Schaden nehmen kann, wenn man das nicht heilen lässt, sondern immer wieder neu in der Wunde rumstochert, leuchtet mir unmittelbar ein.

  7. Thilde says:

    Ja, ich denke auch, dass es sich um einen Vertrauensbrauch handelt.
    Ich denke aber nicht, dass das heilt, wenn man es totschweigt zu Lasten einer Person, die nun wirklich nichts dafür kann, statt sich dem Thema zu stellen.

  8. Azundris says:

    Ich dachte auch eher an, "Das zwischen den Eheparteien klären, und DANN nach vorne sehen." Zumal auch ich mutmaße, daß dem Kind mit einem extrem unwilligen Elter ohnehin nur mäßig gedient ist.

  9. johmue says:

    Es geht ja bei dem Umgang nur darum, dass er das Kind vierteljährlich für zwei Stunden sieht. Bei der Anhörung in Karlsruhe wurde das Szenario etwa wie folgt beschrieben:

    Das Kind bringt einen Freund mit. Ein Betreuer, der Vater und die beiden Jungs gehen gemeinsam auf einen Spielplatz. Die Kinder spielen eine Runde miteinander. Der Vater sitzt währenddessen auf der Bank. Er darf nicht lesen, nicht rauchen oder sonstwas tun, was seine Aufmerksamkeit fordert. Wenn er möchte, darf er mit den Kindern mitspielen. Danach geht die Gruppe gemeinsam ein Eis essen und die beiden Jungs malen für den Vater ein Bild, was dieser zumindest nicht vor den Augen der Kinder zerreißen darf. Das war's.

    Niemand erwartet, dass da eine fruchtbare Vater-Sohn-Beziehung entsteht. Aber zumindest hätte der Junge mal eine Vorstellung von seinem Vater aus der eigenen Anschauung heraus.


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