Gutsherrenmentalität

Vor kurzem hab ich mich im Usenet über einen Schreiber aufgeregt, der sich - wie ich fand - sehr in der Vorstellung sonnte, ein Mann zu sein, der für die Gleichberechtigung von Mann und Frau nicht nur eintritt, sondern sie auch lebt.
Er glaubte, das dadurch illustrieren zu können, dass er betonte, in seiner Ehe in Zeiten, in denen er erwerbstätig war und seine Frau eine (reguläres Vollzeit-) Studium absolvierte, durchaus gerne mal bei der Kinderbetreuung "ausgeholfen" zu haben.
Und es war ihm auch nicht klarzumachen, was an dieser Haltung fragwürdig sein könnte.

Heute habe ich etwas gelesen, das in die gleiche Richtung geht, und zwar in der FAS. Dort steht ein Interview mit dem Henkel-Chef Kasper Rorsted u.a. darüber, was andere neudeutsch als "Diversity" bezeichnen würden:

Wir müssen sicherstellen, dass Nationalität, Alter und Geschlecht keine Rolle mehr spielen. Wir nehmen das Thema ernst. Man muss Vielfalt aber auch von oben leben. Das gilt vor allem für mich. Sonst glaubt keiner dran.

FRAGE: Sie wollen vorleben? Sie nehmen aber jetzt keine Elternzeit, oder?

ANTWORT: Nein, aber dazu ist jeder willkommen. Ich hatte lange eine Assistentin in Teilzeit. Die hat von zu Hause gearbeitet. Es gibt nicht viele Vorstände in Deutschland, die ihren Assistentinnen erlauben, donnerstags und freitags zu Hause zu arbeiten. Und wenn ich dann anrufe, höre ich auch mal Kindergeschrei.


Sollte es sich noch nicht zu ihm rumgesprochen haben, dass deutsche Gesetze auch für den Vorstand eines DAX-Unternehmens gelten, auch so etwas wie das Gesetz, wonach Arbeitgeber ihren Angestellten Teilzeit zu ermöglichen haben? Dass daher nicht von "erlauben" die Rede sein kann, sondern von einfacher Gesetzestreue? Und dass dafür nun wirklich kein Eigenlob angebracht oder Schulterklopfen angemessen ist?
Mit dieser Gönnerhaftigkeit holt er nun wirklich weibliche Führungskräfte nicht hinterm Ofen hervor - die wollen nämlich vermutlich keine gnädige Erlaubnis, sondern einfach nur nicht anders behandelt werden als ein Mann.

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Comments

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  1. Laura says:

    Man kann diese Worte natürlich unterschiedlich auslegen, aber dem Herrn geht es wohl weniger um die Teilzeit, sondern darum, dass er seine Assistentinnen auch von zu Hause arbeiten lässt und nicht auf die 9-to-5-Anwesenheit einer typischen Assistentin besteht....


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