Helden der Konten: Wie ich einmal >10k beinahe verloren hätte

Am Mittwoch ein kleiner Schreck in der Morgenstunde: Das Finanzamt hat neben meiner monatlichen Umsatzsteuervorauszahlung auch die Einkommenssteuervorauszahlung fürs dritte Quartal von meinem Kontokorrentkonto abgebucht. Ganz normal, nur hab ich leider wieder mal nicht an den Termin gedacht und in den letzten Tagen und Wochen das Girokonto zugunsten meines neuen Tagesgeldkontos bei der Norisbank ziemlich geplündert. Man will ja schliesslich was haben von den netten Zinsen, statt das Geld auf dem Girokonto unverzinst verstauben zu lassen. Also war klar: ich verschiebe einfach wieder ein bisschen was zurück vom Tagesgeldkonto auf das Girokonto.

Dann ein großer Schreck: Der Saldo bei der Norisbank ist null. Nullkommagarnix. Und das obwohl ich seit Ende Juli in vier Tranchen einen Betrag in Höhe des Preises eines anständigen Kleinwagens dorthin überwiesen habe.

Erster Anruf bei der Norisbank. Nein, es sei nichts angekommen. Ja, die Kontonummer sei richtig. Welche Bankleitzahl ich denn verwendet hätte. Die 760 260 00? Ja, bekannter Fehler. Die hätte ich nicht nehmen dürfen. Die Bankleitzahl 100 777 77 wäre die richtige Nummer für die Filiale Frankfurt, gewesen. Ups. Also meine eigene Dussligkeit? Ja, offenbar. Und ich hätte das wissen müssen? Ja, hätte ich wohl. Ich möge mich doch bitte bei der Bank melden, von der aus ich die Überweisung gestartet habe. Sie könnten da nix machen.

Gesagt getan. Das Callcenter der SEB erklärt mir, ich möge mich doch bitte bei der Filiale melden, sie wären nur für technische Probleme zuständig. Naja, könnte man ja auch eventuell dazu schreiben, statt die Nummer einfach nur unter "Kontakt" aufzuführen.

Anruf in der Filiale Steinweg. Tja, das Geld sei raus. Das ist nichts Neues, das sehe ich auch. Man könne natürlich einen Nachforschungsauftrag stellen - aber der koste 13 Euro. Und auch dann wäre bestenfalls nur klar, wo das Geld gelandet ist - zurückholen könne man es dann noch lange nicht. Hm, ob mir das hilft?

Als die Mitarbeiterin bemerkt, dass wir hier über einen fünfstelligen Betrag reden, beschliesst sie, dass die Angelegenheit dann doch besser bei meinem Kundenbetreuer aufgehoben ist. Der ist bloss leider gerade in der Mittagspause. Er werde aber zurückrufen.

Ich weise darauf hin, dass ich nur noch bis ca. 14 Uhr im Lande bin und hoffe nur sehr schwächlich, dass daraus noch was wird.

Erstaunlicherweise klingelt kaum eine Viertelstunde später tatsächlich das Telefon, am Apparat mein Kundenbetreuer (den ich bisher gar nicht kannte, warum auch, ich mache nur Online-Banking und in die Filiale verirre ich mich eigentlich nur mal, um Kontoauszüge zu ziehen), Herr W.. Er hört sich die ganze Sache an, identifiziert die betroffenen Zahlungen und schlägt vor, dass ich doch noch mal bei der Norisbank-Filiale anrufen möge. Ich beginne langsam ein wenig unmutig zu werden - offenbar hört man das auch, denn ganz schnell korrigiert er sich: Er selbst wird bei der Norisbank anrufen und das klären.

Dankbar und hoffnungsfroh lege ich auf.
Und dann geschieht nochmal etwas Erstaunliches: kaum eine Viertelstunde später ruft der Kundenbetreuer wieder an und erklärt, dass alles erledigt ist. Die Norisbank wird das Geld zurücküberweisen.

Ich bin sehr erleichtert und zuversichtlich. So richtig aber natürlich erst dann, wenn das Geld wirklich wieder auf meniem Konto ist.

Fazit:
Tja, was soll ich sagen - schwer zu entscheiden, wer hier der Depp war.
Die Norisbank, weil sie nicht imstande ist, eine Zahlung von Filiale zu Filiale zu transferieren, sondern so tut, als kennte sie die andere BLZ nicht? In den Banken, die ich aus Projekten von innen kenne, gibt es für solche und ähnliche Fälle ein Cpd-Konto.
Und dann entsteht ein "bearbeitungspflichtiger Vorgang", das heißt, ein Mensch schaut drauf und schiebt das dahin, wo es hingehört.

Die SEB-Bank, weil sie meinen BLZ-Fehler durch eine IMO etwas undurchsichtige Anzeige provoziert hat?



Oder einfach nur ich selbst, weil ich nicht bis Seite 6 vorgeblättert habe, um zu schauen, ob es noch eine BLZ gibt, die passen könnte? Und weil ich nicht nachgeprüft habe, was mir einfach plausibel erschien, und dann noch nicht mal auf dem Empfängerkonto nachgeprüft habe, ob das Geld ist, wo es sein soll, sechs Wochen lang?



Update:
In der sensationellen Laufzeit von weniger als einem Tag ist das Geld am Freitag letzter Woche wieder auf meinem Konto gelandet.
Ich bin entzückt. Stimmt also "Schweden können Konten"?
Naja, W. klingt nicht wie ein skandinavischer Name. (Soll/darf/könnte ich hier den Namen des beherzten Bänkers ausschreiben?)

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Comments

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  1. kju says:

    Die Frage die sich mir stellt: Gibt es unter der falschen BLZ ein anderes Konto mit der gleichen Kontonummer? Ansonsten wäre das Geld sowieso zurückgekommen. Und selbst wenn: Wenn der Name nicht stimmt, soll eigentlich auch nicht gutgeschrieben werden.

  2. thilde says:

    Keine Ahnung, ob solch eine Kontonummer existiert.
    Ich hätte auch vermutet, dass das Geld einfach zurückkommt, wenn Kontonummer und BLZ in der Kombination nicht existieren. Aber wenn das nach 6 Wochen noch nicht geschehen ist, passiert das dann überhaupt noch?
    Und ja, das mit dem Namen kenne ich auch. Das hier: http://www.rws-verlag.de/volltext-2004/zolg9701.htm klingt aber leider anders. :-\


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