Japan: Bahnfahren

Bahnfahren in Japan mit Bahnfahren in Deutschland zu vergleichen ist so, als vergliche man einen Schulausflug einer Grundschulschulklasse der fünfziger Jahre mit dem Gedrängel am Samstagnachmittag auf der Zeil.
Ja, in Japan geht's weitaus geregelter zu als hier - obwohl Deutschland ja nun nicht gerade als Land der Anarchisten gilt, was das angeht.

In Japan diffundiert man zum Beispiel nicht einfach irgendwie in einen Zug - dort weiß man nicht nur schon vor der Fahrt, in welchen Wagen man einsteigt, sondern entscheidet sich auch noch vor dem Eintreffen des Zugs für die Tür, die man nehmen wird und reiht sich in die dortige Schlange ein. (Okay, in Zweierreihen anstellen, darauf verzichten sie dann doch)

Genau dafür gibt es Markierungen auf dem Bahnsteig und auf den Zentimeter genau exakt dort halten die Züge auch. Welcher Wagen der richtige ist, ist auch nicht schwer zu entscheiden: in einigen sind die reservierten Sitze, in anderen die nicht-reservierten, und welche das sind, wir ungefähr achtzehnmal vorher per Lautsprecher durchgesagt und auch auf den Zuganzeiger-Tafeln[1] angezeigt.

Ein japanischer Zugbegleiter verbeugt sich übrigens, wenn er einen Wagen betritt, vor seinen Kunden, und wiederholt das, wenn er den Wagen verlässt.

Ein besonders lustiges Schauspiel vollzieht sich an manchen Sackbahnhöfen oder wenn sonst der Zug die Richtung wechselt - dann werden die Sitzreihen im Shinkansen umgedreht, sodass die Sessel in Fahrtrichtung zeigen. Genau dieser Umstand ist es auch, der für eine wirklich komfortable Beinfreiheit auch in der zweiten Klasse sorgt.

Hab ich schon erwähnt, dass keine Uhren gebraucht werden, weil die Züge, und zwar alle, die ich erlebt habe, auf die Minute pünktlich sind? Gleisänderungen oder gar Ausfälle scheint's auch nicht zu geben.

Wermutstropfen: Selbst in einer der grössten Städte der Welt, einer Metropole mit Trendsetter-Kaliber, kann man mit einer ausländischen Kreditkarte keine Fahrkarte der JR bezahlen. Die Suche nach einem Geldautomaten, der die benötigten Yen ausspuckt, wenn man ihn mit einer nicht-japanischen Kredit- oder EC-Karte füttert, kann dann auch schon mal eine Stunde dauern und an der Rezeption eines Hotels enden, das netterweise auch mit europäischen Touristen rechnet.

[1] Die mitlesenden Pufferküsser wissen, was gemeint ist - oder?

Trackbacks

  1. Rollbahn

    Die Thildkröte brachte aus Japan neben interessanten Berichten auch die Erkenntnis mit, daß die Japaner deutsche Beschriftungen zur Zierde auf irgendwelchen Gegenständen verwenden, so wie hier viele asiatische Schriftzeichen zur gleichen Verwendung unheim

Comments

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  1. Jens says:

    "Wermutstropfen: Selbst in einer der grössten Städte der Welt, einer Metropole mit Trendsetter-Kaliber, kann man mit einer ausländischen Kreditkarte keine Fahrkarte der JR bezahlen. Die Suche nach einem Geldautomaten, der die benötigten Yen ausspuckt, wenn man ihn mit einer nicht-japanischen Kredit- oder EC-Karte füttert, kann dann auch schon mal eine Stunde dauern und an der Rezeption eines Hotels enden, das netterweise auch mit europäischen Touristen rechnet."

    Krass. In Taiwan konnte ich mit meiner VISA an allen Geldautomaten (zum Beispiel denen der Cathay United Bank, die es in jeder MRT-Station gibt ...) Geld abheben. High Speed Rail ließ sich afaik auch problemlos mit KK bezahlen.


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