Mixa

Das allgegenwärtige Thema "Vulkanausbrach in Island[1] und wie es ganz ohne Nachtflugverbot himmlisch ruhig wird in Frankfurt" hat es ein bisschen aus den Schlagzeilen verdrängt, aber man liest weiterhin einiges zum Thema sexueller Missbrauch von Kindern in den diversen Institutionen. Gut so.
Heute bin ich über diverse Artikel zum Bischof Mixa gestolpert. Er hat nun also zugegeben, dass er früher durchaus Kinder geohrfeigt hat. Aber "schlagen" war das für ihn nicht. (Erinnert so ein bisschen an die Argumentation von Clinton, wonach er mit der Praktikantin.... wie hieß sie noch? ja keinen Sex hatte.)
Ich wäre die letzte, die einen Herrn Mixa oder die katholische Kirche oder körperliche Bestrafungen verteidigen würde, aber wenn ich dann lese, dass Claudia Roth und diverse weitere seinen Rücktritt fordern wegen dieser Geschichte, dann denk ich mir: Leute, lasst doch bitte mal die Kirche im Dorf. Nicht weil Ohrfeigen nicht schlimm wären, sondern weil, wenn das ein Rücktrittsgrund ist, so ziemlich jeder Pfarrer, Lehrer und auch die meisten Eltern, die vor den 68er Jahren mit Kindern zu tun hatten, mit Schimpf und Schande aus dem Amt gejagt werden müssten.
Ich selbst, Jahrgang 1966, wurde öfter bestaunt wie das berühmte janusköpfige Kalb, wenn ich im Freundeskreis erzählt habe, dass ich nie, nicht ein einziges Mal von meinen Eltern "eine gefangen" habe, denn bei den meisten sah das anders aus. Tatsächlich haben wohl die meisten Erwachsenen vor 30 oder noch mehr Jahren Ohrfeigen nicht als Prügel angesehen - für letzteres hätte mal mindestens ein Stock oder Gürtel im Spiel sein müssen. Insofern nehme ich es dem Mixa schon ab, dass er subjektiv nicht gelogen hat.
Und wie lange ist es eigentlich schon verboten, Kinder körperlich zu bestrafen? Jahrzehnte sind das noch nicht, wenn mich mein Gefühl nicht trügt.
Die Empörung und die Forderung nach Konsequenzen sollte sich doch dann bitte eher an diejenigen richten, die den Opfern eine Mitschuld geben (von Hentig), die die 68er Bewegung dafür (mit-)verantwortlich machen oder denen auch ein Pogrom-Vergleich nicht zu dämlich ist.

[1] Hallo Nachrichtensprecher: Eyjafjallajökull spricht man übrigens "Eiafjatlajököttl" aus. Nein, man muss ja nicht alles wissen. Deshalb erklär ich es ja. ;-)

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Comments

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  1. Gondlir says:

    Es mögen einige gewesen sein, die damals "Watschen" verteilt haben. Zurücktreten sollten meiner Ansicht nach aber diejenigen, die sich heute dafür weder schämen noch um Verzeihung bitten wollen.

  2. Thilde says:

    Nicht "einige", ich glaube, die meisten.

    Und ich glaube, die wenigsten wären ehrlich, wenn sie sagen würden, dass sie sich wirklich dafür schämen, auch wenn die Mehrheit es wohl heute nicht mehr täte.

  3. Martin says:

    "Eiafjatlajököttl" triffts nicht ganz. Es ist kein Ei wie in Hühnerei sondern eher wie das ay in "to pay"

    Ich hätte ja nicht gedacht, dass mal die halbe Welt dieses Wort kennenlernt...

    Das Estnische erinnert mich vom Klang her übrigens an Isländisch - nur verstehe ich hier noch weniger (d.h. überhaupt garnix).

  4. sparta says:

    > vor den 68-Jahren...

    Hier geht es um Ohrfeigen, die in den 80-Jahren normal gewesen sein sollen.

    Aus allen Ämter gehört er nicht wegen der Ohrfeigen gejagt, sondern weil er widerlicher Heuchler und Lügner ist.

  5. Thilde says:

    Für Heuchelei hielte ich es eher, wenn er behaupten würde, das, was er volkstümlich "Watschn" nennt, täte ihm leid und wenn er unter dem Druck der Öffentlichkeit um Entschuldigung bitten würde, wenn er doch eigentlich der Meinung ist, das wäre eine Lappalie.
    Und wie gesagt: Wenn jeder aus dem Amt entfernt werden sollte, der meint "ach, so ein paar Ohrfeigen, was ist daran schon schlimm", dann würde sich der Personalstamm der Kirche erheblich dezimieren. Und nicht nur der Kirche, fürchte ich. Jetzt so zu tun, als wäre Mixa wesentlich schlimmer als andere, finde ich heuchlerisch.

  6. Nik says:

    Meine (Grund-)Schulzeit liegt ein paar Jahre zurück, aber wer es damals als Schüler übertrieb, bekam eben schon mal einen Klaps, eine Ohrfeige (woanders "Watschn" genannt) oder wurde mal am Ohr gezogen.

    Sowas gehörte damals offenbar zum pädagogischen Handwerkszeug (in Schule, Elternhaus, Kirche und Lehre).

    Eine absolut gewaltfreie Erziehung wäre ideal. Aber wie das mit Idealen so ist, sie sind immer anzustreben, aber nicht immer erreichbar. Manche Kinder im Plärr-Anfall sind mit Worten nicht mehr erreichbar. Dann kann man abwarten, bis Ruhe einkehrt und Worte wieder ankommen. Das ist jedoch nicht in allen Sitautionen machbar.

    Bei Computern warten wir auch nicht ab, bis sich Prozess wieder normalisiert, wir helfen etwas nach und drücken nur im absoluten Notfall auf "Reset".

    Auch ich möchte kein Kind (ver-)prügeln, habe aber schon mal einem Kind wehgetan, als ich es am Arm packte und unsanft von der Straße holte. Die Worte der Mutter an die Kinderhorde, auf dem Bürgersteig zu bleiben, kamen wegen des Kindergeschreis offenbar nicht in Ohren oder dem (kindgemäß entwickelten) Verstanstand an. In der kritischen Nachbetrachtung würde ich mich wieder so entscheiden. Ein blauer Fleck beim Kind ist mir lieber als ein Kind, das vor meinen Augen auf die Straße rennt und überfahren wird.

    Sicherlich nicht mit anderen Situationen vergleichbar. Aber manchmal scheint es mir, als wären (die) Worte (des Herrn) alleine nicht ausreichend.

    Wer jetzt so tut, als sei (absolut) gewaltfreie Erziehung schon immer normal gewesen, ist entweder ein Heiliger oder ein Heuchler.

  7. Thilde says:

    So, nun isser also zurückgetreten.

    Ich bin dafür, auch alle diejenigen Kirchenleute, die ihm das nahegelegt haben und die dazu jetzt eine Meinung äußern, mal dazu befragt werden, was sie in den 60er, 70er und 80er Jahren gemacht haben, als (und falls) sie im direkten Kontakt mit Kindern und Jugendlichen standen. Wetten, dass da nur sehr wenige, wenn überhaupt welche dabei sein werden, die von sich sagen können, dass sie niemals "Watschn" verteilt haben?

    Die anderen sollten dann bitte auch alle zurücktreten. Diejenigen, die sich weit Schlimmeres haben zuschulden kommen lassen, sowieso. Diejenigen, die die Opfer beschuldigen, dito.

    Oder wie war das mit dem ersten Stein?


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