Sancta Simplicitas

Datenschutz ist ein echtes Thema, vielen ein Anliegen, auch mir. Die Zeitungen sind voll Artikeln dazu, die Blogs strotzen vor Anleitungen, wie man Facebook gegenüber maximale Diskretion halten kann. Über die Gesundheitskarte wird kontrovers diskutiert und nicht nur über die. Und dann… tja, dann schreiben Leute unter ihrem Realnamen, mit Ortsangabe und allem Pipapo in Xing Dinge wie das folgende:

Mein Vater hat Krebs, er hat letzte seine linke Niere entnommen bekommen, sowie am Harnleiter wurde ein Tumor rausgenommen. Es sieht aber so, dass er alles überstanden hat und keine weitere Nachbehandlung notwendig sind. Er hat eine sehr positive Einstellung, eigentlich passt alles, um wieder gesund werden.

Meine Mutter hat nun Angst, wirklich Angst, ihn zu verlieren, was ich auch nachvollziehen kann, aber noch ist es nicht soweit und er hat noch viele Jahre vor sich.


Ja, das würde ich mir wünschen, wenn ich gerade mit so einer schweren Krankheit kämpfe, dass jemand auch noch ungefragt meinen Gesundheitszustand in ein Internet-Forum postet, völlig ohne jedes Gefühl für Diskretion.

Ich habe die Dame dann auch mal darauf angesprochen, und ratet, wie die Reaktion war? Sie müsse ja auch "Druck ablassen" und überhaupt, wo bliebe denn da die Offenheit im Umgang mit der Krankheit etc. Und natürlich, ich wurde blöde angemacht, was ich mir denn überhaupt anmaßen würde.

Gut, es war vielleicht zu naiv gedacht, so einen Hinweis direkt dort zu geben, wo die Person mit den privaten Infos auch hausieren gegangen ist.

Heute ein ähnlicher Fall, da schreibt jemand:
[..] da ich derzeit noch einen fast 77-jährigen Schwiegervater betreue und meine Mutter eine Chemo-Therapie wegen Brustkrebs bekommt und ich Ihr beistehen möchte,[..]


Diesmal war ich klüger und habe eine private Nachricht geschrieben. Die Antwort? Na ratet mal.
ist gesundheitliches Befinden denn in irgendeiner Form ein Problem?
Ich halte es für menschlich und es geht hier schließlich nicht um Aids, Demenz oder ähnliche Krankheiten, sondern um eine Krankheit die viele Frauen betrifft.
Wenn man über menschliche Dinge nicht offen sprechen kann, ist man fernab der Realität.


Klar, die liebe Menschlichkeit. Dafür kann man schon mal darüber hinwegsehen, dass jeder selbst entscheiden können sollte, was er in der Öffentlichkeit über sich preisgibt.

Manche Leute scheinen echt von allen guten Geistern verlassen. Da wird Naivität zur Tugend erhoben, sancta simplicitas. Aber JFK, Mutter Teresa und Gandhi als Vorbilder im Profil aufführen. :-( In einem Manual "How to Web 2.0" würde ich mich gar nicht trauen, so ein Beispiel aufzunehmen, weil ich befürchten würde, dass mir Realitätsferne vorgeworfen würde. Schließlich sind die Daten-Deppen doch alles Teenies, die sich in Facebook mit Sauf-Bildern diskreditieren, gelle?

Twitter Bookmark Sancta Simplicitas  at del.icio.us Facebook Google Bookmarks FriendFeed Digg Sancta Simplicitas Mixx Sancta Simplicitas Bloglines Sancta Simplicitas Technorati Sancta Simplicitas Identi.ca

Trackbacks

    No Trackbacks

Comments

Display comments as (Linear | Threaded)

  1. Michael says:

    Ja da sprichst du ein wichtiges Thema an. Vielen Leuten ist es nicht bewusst wieviel "Macht" sie so in die Hand dritter geben.
    Ich stelle mir die Frage bei Beitraegen in meinem Blog zum Beispiel immer wieder selbst und das nicht nur unter dem Aspekt das aktuelle und potentielle Chefs mittlerweile das Netz als Informationsquelle nutzen.

  2. DrNI says:

    Bizarr auch die Einteilung von Krankheiten in zwei Gruppen. Über Brustkrebs möge man sich öffentlich austauschen, über Aids und Demenz nicht.

    Ich wollte mal einem Kommilitonen klar machen, dass ich die Fotos von mir nicht bei Facebook sehen möchte. Er ließ sich nicht überzeugen. Als Blogger könne ich so etwas nicht verlangen, da würde ich ja sowieso alles preisgeben. Auch der Hinweis darauf, dass getaggte Fotos bereits strukturierte, für Computer auswertbare Metadaten mitbrächten, im Gegensatz zu unstrukturierter Information wie Text (aus Computerperspektive), ließ einen Studenten der Computerlinguistik nicht das Denkorgan anwerfen.

    Mangels Facebook-Account konnte ich das Ergebnis nicht prüfen. Mittlerweile bin ich allergisch dagegen geworden, bei sog. Parties fotografiert zu werden.

    So oder so ähnlich ging es mir schon öfter.

    Die Reaktionen sind immer pampig und verständnislos, selbst wenn man sich als Betroffener selbst zu Wort meldet.


Add Comment


Enclosing asterisks marks text as bold (*word*), underscore are made via _word_.
Standard emoticons like :-) and ;-) are converted to images.
E-Mail addresses will not be displayed and will only be used for E-Mail notifications.

To prevent automated Bots from commentspamming, please enter the string you see in the image below in the appropriate input box. Your comment will only be submitted if the strings match. Please ensure that your browser supports and accepts cookies, or your comment cannot be verified correctly.
CAPTCHA 1CAPTCHA 2CAPTCHA 3CAPTCHA 4CAPTCHA 5