Lobrede auf...

...den Laudatio-Verlag. Oder naja, nicht so ganz. Aber eine Erwähnung ist er mir doch wert.
Und das kam so:

In Xing las ich neulich wieder mal eines der leider häufig anzutreffenden, nur schwach getarnten Werbepostings, diesmal eines Verlagsinhabers, der angab, jungen Autoren mit einer Checkliste behilflich sein zu wollen bei ihrer ersten Veröffentlichung.

Wer sich ein bisschen mit dem Buchmarkt beschäftigt hat, weiß, welche Nachtigall da durchs Gebüsch stolpert:

Ein Druckkostenzuschuss-Verlag, also ein Verlag, der nicht den Autor für sein Werk bezahlt, sondern den der Autor bezahlt, für unterschiedlich gutes Lektorat, Marketing und Vertrieb und ein wenig administrative Dinge.

Ich bin ja ein böses Weib und konnte mich mal wieder nicht beherrschen und schrieb nach einem Besuch der Website, auf der an exponierter Stelle folgendes steht:

Sie sind Autor oder wollen ein Buch schreiben? Der Laudatio Verlag unterstützt Sie dabei, Ihr eigenes Buch zu veröffenlichen. Angefangen von der professionellen Bearbeitung Ihres Manuskriptes (Lektorat) über eine individuelle und verkaufsfördernde Buchgestaltung bis hin zum überzeugenden Marktaufritt. Mit unserer persönliche Betreuung und unserem weitreichenden Know-How im Bereich Buchherstellung und Verlagswesen verfolgen wir dabei das Ziel, Ihre Buchpremiere zu einer „Lobesrede" (Laudatio) auf Sie als Autor und Ihr Werk werden zu lassen.


diese Replik:

Auweia, ein Druckkostenzuschussverlag. Und dann noch für ein professionelles Korrektorat werben, aber Tippfehler auf der Seite haben.

Nicht gut.


(Habt ihr die Fehler gefunden? Es sind immerhin drei in diesem kurzen Absatz.)

Ratet, was daraufhin passierte. Nein, kein empörtes "Gegen-Posting".
Keine beleidigte Mail.
Erst mal gar nichts.

Aber dann lag wenige Tage später eine Versandtasche in meinem Briefkasten, von besagtem Verlag.
Drin ein Buch aus dem Hause und ein Begleitschreiben, ungefähr folgenden Inhalts:

Für Kritik sei man immer dankbar, daher wolle man meine Bemühungen mit einem Buchgeschenk honorieren, mit dem ich mir gleichzeitig auch einen Eindruck von den Produkten des Verlags machen könne. Meinem Xing-Profil habe man entnommen, dass ich mich für Island interessiere, daher habe das Präsent auch einen Island-Bezug.

Und so kommt's, dass ich jetzt "Má ég tjalda hérna? Mit dem Rucksack durch Island" hier liegen habe und sicher demnächst auch mal lesen werde. Es ist eher eine Broschüre, leider auch nur mit Schwarz-Weiß-Bildern, obwohl es in der Buchbeschreibung anders angegeben ist, aber hey, wie war das noch mit dem geschenkten Gaul?

Die Geste jedenfalls hat einen Blogeintrag verdient, finde ich - soviel Gedankenaktivität erlebt man selten von denen, die in Xing nur eine weitere Vertriebsschiene sehen (und nicht ein PR-Instrument und einen Ort für Networking).

Wer übrigens wirklich über ein Buchveröffentlichung nachdenkt, sollte das anders angehen. Wenn ihr wissen wollt, wie, dann schreibt es in einen Kommentar.

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Comments

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  1. DrNI says:

    Was spricht dagegen, Buchveröffentlichungen komplett selbst durchzuziehen, und nur noch auf einen Print-on-Demand-Dienstleister als technische Umsetzung zurückzugreifen?

    Letztendlich machen viele Musiker heutzutage auch alles selbst. Gut ist das natürlich nicht immer, es braucht viel Zeit und Know How. Aber anders ist Spartenmusik oder Spartengeschreibsel ja wohl nicht mehr produzierbar. Finanzielle Risiken tragen Plattenfirmen und Verlage immer ungerner.

  2. Thilde says:

    Dagegen spricht, dass ein "echter" Verlag auch echtes Marketing und Vertrieb macht. O'Reilly beispielsweise schickt noch echte Außendienstler durch das Land, die Buchhändler besuchen, nur so als Beispiel.
    Und wer trägt schon gerne finanzielle Risiken? Das Problem ist halt, dass Bücher immer eins sind und dass die wenigen Bestseller all die Bücher mitfinanzieren, die keine geworden sind.

  3. DrNI says:

    Was O'Reilly angeht, so finde ich den Erfolg ihrer Bücher aber auch wesentlich kalkulierbarer als im Bereich der Belletristik. Es ist doch relativ klar, welche technischen Themen Dauerbrenner und welcher demnächst hip sind.

  4. Thilde says:

    Also, was die Kalkulierbarkeit der Erfolge von Sach- und Fachbüchern angeht, da vertrau ich dann doch eher den Erfahrungen meines Lektors.

    Und den Hip-Faktor gibt's ja auch bei der Belletristik.


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