Gelungene Resozialisierung - oder Obszönität?



Neulich in xing bin ich über dieses Profil gestolpert.

Das Biete-Feld zeigt Erstaunliches, denn der Herr schreibt folgendes über sein Dienstleistungsportfolio:


Fachwissen und Konzept zur Aufklärung von Unternehmen gegen kriminelle Mitarbeiter. Neues Aufklärungs- und Beratungs-Thema: "Wirtschaftskriminalität aus der Sicht des Täters". Erfolgreich in der Aufklärung und Beratung seit 2007. Wie können Straf- und Haftungsrisiken für Führungskräfte reduziert werden? Wie kann das Unternehmen vor wirtschaftlich schädigenden Handlungen geschützt werden? [..] Ich selbst war zudem 1995/96 ein namhafter Wirtschaftsstraftäter vom größten Betriebsdiebstahl in der deutschen Kriminalgeschichte und kenne die Denk-Verhalten- und Vorgehensweisen krimineller Mitarbeiter nur zu gut, ebenso die typischen Fehlverhalten der Unternehmen.


Auch auf seiner "Über mich-Seite" geht er mit seiner kriminellen Vergangenheit ziemlich offensiv hausieren, unter andem mit folgender Formulierung, aus der einiger Stolz spricht:

Ex-Wirtschaftsstraftäter vom größten Betriebsdiebstahl in der deutschen Kriminalgeschichte


Diesen Lebensabschnitt präsentiert er auch noch als berufliche Station in seinem Xing-Werdegang wie folgt:


Kundenauftragsbearbearbeitung Netzwerksysteme. Im Auftrag eines Hehlers im Unternehmen bereits vorhandene und lokalisierte Schwachstellen ausgenutzt. Warenbeschaffung ( Auftragsdiebstahl ). - Erkennen von Schwachstellen im Unternehmen. - Risikoanalyse. -SAP-Nutzung für kriminelle Handlungen. - Informationsbeschaffung im Intranet für kriminelle Handlungen. - Warenumleitung.


Viele Fragen stellen sich mir sofort:

  • Ist das nicht obszön? Aus den eigenen Verbrechen Geld machen?

  • Aber andererseits hat er dafür im Knast gesessen, und damit sollte es erledigt sein.

  • Nur wer sagt, dass wer einmal Leute abgelinkt hat, es nicht wieder tut? Zum Beispiel gerade mit der hier angebotenen Dienstleistung, indem er nämlich die Interna, die ihm Unternehmen anvertrauen, nicht für die Sicherheitsberatung nutzt, sondern für neue Tricksereien?

  • Bin ich ein vorurteilsbeladener Spießer, der eine gelungene Resozialisation nicht anerkennen kann, die Tatsache, dass jemand den Stier bei den Hörnern packt, statt vermutlich erfolglos auf eine zweite Chance als Angestellter zu hoffen?


Was denkt ihr, denken Sie?





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Comments

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  1. Mirko says:

    Der reinen Lehre nach hast du den Kern eigentlich schon getroffen: Durch eine verbüßte Strafe ist die Tat abgegolten.

    Das kann man gar nicht genug betonen. Ich behaupte, dass die allermeisten Straftäter auch eine Art gedankliche Resozialisierung durchmachen. Sie erkennen das angerichtete Urteil und nehmen die Strafe als das entgegen, als was sie gedacht ist: Eine Art ausgleichende Gerechtigkeit.

    Mir ist klar, dass dieses gedankliche Modell in Einzelfällen perverse Züge annehmen kann (bspw. bei Mord, sexuellen Verbrechen, schweren anderen Straftaten - wie kann so etwas je ausgeglichen werden), aber in diesem Fall geht es ja "nur" um einen wirtschaftlichen Betrug, der mit der Strafe gesühnt ist.

    Trotzdem finde ich die offensiv-stolze Selbstdarstellung überzogen. Es ist sicher wahr, dass jemand mit dieser Vita in einem klassischen Arbeitsumfeld keine Chance mehr bekäme und er sich damit eine Nische suchen muss. Aber auch das kann man mit etwas mehr Feingefühl und... Demut? machen.


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