Karriereleiter - Axiome oder Trugschlüsse


Auf der Suche nach neuen für die 4. Auflage - dazu werde ich noch etwas mehr schreiben in nächster Zeit - durchstöbere ich derzeit das Netz. Dabei bin ich auch wieder auf jemanden gestoßen, dessen Rat ich schon vor vielen Jahren sehr zu schätzen wusste, noch bevor ich irgendwelche anderen Foren, Blogs, Xing-Gruppen oder was auch immer zu diesem Theme kannte: Heiko Mell.

Der Altmeister (Jahrgang 1942) schreibt seit gefühlten Ewigkeiten bei der Ingenieur-Karriere und beantwortet Fragen zu Beruf, Bewerbung, Karriere.
Man mag zu seinen Thesen stehen, wie man will, sie neoliberal nennen oder sonst etwas, aber anregend sind sie allemal.

Seit einer Weile gibt es auch ein Blog von ihm (leider derzeit ohne RSS-Feed). Schon der erste Artikel hat mich sehr angesprochen, daher werde ich meine Gedanken dazu hier mal mit Euch und Ihnen teilen. Laut Heiko Mell schadet es einer Karriere - möglicherweise sogar massiv - wenn jemand einen der folgenden Kernsätze nicht berücksichtigt:

Ein guter Mitarbeiter ist jemand, den sein Chef dafür hält.


Volle Zustimmung. Ob man das gut oder schlecht findet, ist dabei nicht die Frage. Natürlich kann auch die Anerkennung der Kunden oder Kollegen extrem wichtig sein. Teilt aber derjenige, der über Wohl und Wehe letzlich entscheidet, nicht diese Meinung, dann nutzt das wenig bis gar nichts.

Ein Angestellter ist lt. offizieller Definition abhängig beschäftigt und weisungsgebunden. Das bedeutet zwangsläufig den Verzicht auf das Streben nach uneingeschränkter Entfaltung der Persönlichkeit – und erfordert Anpassungsbereitschaft.


Zustimmung. Wenn die Anpassung zu sehr wehtut, dann ist man im falschen Unternehmen oder der falschen Abteilung - es gibt genügend unterschiedliche, sodass nahezu jeder seinen "favorite flavour" finden sollte. Klappt das nicht, gibt es immer noch die Selbständigkeit. Da könnte es allerdings dann Probleme mit den Kunden geben.
By the way: Angemessenheit klingt doch gleich viel besser als "Anpassung", oder? Darum geht's nämlich.

Das System ist darauf ausgerichtet, dass Karriereerfolg sich eher einstellt, wenn ich mich bemühe, etwas Interessantes zu werden, statt vorrangig etwas Interessantes zu tun.


In der klassischen Definition von Karriere, die Heiko Mell hier voraussetzt, ja. Wobei interessante Jobs auch meist interessante Tätigkeiten beinhalten.

Es gibt keine erlaubten „Differenzen“ zwischen Chef und Mitarbeiter. Es gibt nur Mitarbeiter, die nicht im Sinne ihres Chefs „funktionieren“.


Diese Einstellung erscheint mir veraltet. Ein derartig autokratischer Führungsstil dürfte mittlerweile nur noch selten vorkommen. Vielleicht am ehesten noch in asiatischen Unternehmen.

Die Führungskraft ist Vertreter des Arbeitgebers bei ihren Mitarbeitern, nicht Sprecher ihrer „Leute“ bei der Unternehmensleitung.


Sie ist beides.Natürlich, wenn es hart auf hart kommt, gilt "ober sticht unter" oder "wer zahlt, schafft an". So etwas sollte aber die Ausnahme sein, denn langfristige Erfolge werden sich nicht mit "Befehl und Gehorsam" erzielen lassen. Diese Zeiten sind vorbei.

In einer Marktwirtschaft ist Gerechtigkeit grundsätzlich nicht „systemimmanent“ – Märkte aller Art sind weder gerecht noch ungerecht.


Stimmt, die Gerechtigkeit - oder das Streben danach - kommt erst hinzu, wenn man das Wörtchen "sozial" hinzufügt und lebt.

Über den Wert meiner beruflichen Qualifikation entscheidet allein der (Arbeits-)Markt.


Wenn Wert die Verwertbarkeit meint, ja. Selbst Gold ist nur dann Gold, wenn man etwas dafür bekommt, ansonsten nur ein schön anzusehendes, recht weiches Metall.
Einen ideellen Wert gibt es natürlich auch, aber kein Anrecht darauf, einen Gegenwert zu bekommen. Der promovierte Taxifahrer hat keinen höheren Stundenlohn verdient, selbst wenn er der neue Hölderlin sein sollte.

Dauerhafter Karriereerfolg hängt vor allem von meiner Persönlichkeit ab, weniger von meiner Fachqualifikation (die wird als selbstverständlich vorausgesetzt).


Ich würde es nicht Persönlichkeit nennen, sondern Verhalten. Allerdings sollte da eine größmögliche Kongruenz bestehen, sonst wird es unglaubwürdig und macht einen selbst unglücklich.

Jede Gruppe lässt bevorzugt solche neuen Mitglieder zu sich, die „so sind wie wir“. Wer (weiter) aufsteigen will, muss also rechtzeitig den Maßstäben der hierarchischen Ebenen entsprechen, in die er hineinstrebt (Aussehen, Auftreten, Lebensstil).


Oja. Einer der Gründe, warum Ayse Özdemir es ceteris paribus immer noch schwerer haben als Stefan Lehmann.

Ein Kampf mit dem Chef ist nicht zu gewinnen. Dazu trägt auch bei, dass jedes hierarchisch strukturierte System seine ranghohen Mitglieder pauschal gegen „Aufmüpfigkeiten“ von unten unterstützt.


Nicht ganz so. Der eine oder andere soll es schon geschafft haben, durch ein Bündnis mit dem "Chef-Chef" etwas gegen seinen direkten Vorgesetzten erreicht zu haben. Empfehlen kann man das aber nicht, es geht meist nach hinten los. Daher:siehe oben: Abteilung oder Firma wechseln oder selbständig werden.

Was sagt ihr, was sagen Sie dazu?

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