Vom Inbound-Callcenter in den Verkauf - Update -

Update:
Ich habe seit 10. Juli nichts mehr von der Bewerberin gehört. Da ich aber nett bin, hab ich heute folgende Mail an sie verschickt:


Hallo Frau xxx,

es ist schade, dass ich nichts mehr von Ihnen gehört habe.
Haben Sie in der Zwischenzeit einen Job gefunden? Oder keine Lust, sich die Arbeit zu machen, die Dinge auszufüllen, die ich Ihnen geschickt habe?

In jedem Falle sendet das die Botschaft: Hilfsbereitschaft lohnt sich nicht, geschätzt wird nur, was etwas kostet.

Mein Angebot, einen Optimierungsvorschlag für Ihre Unterlagen zu machen, steht noch bis Ende der Woche. Konkret: wenn mir die Unterlagen bis Freitag, 20 Uhr vorliegen, schreibe ich am Wochenende etwas dazu.

Viele Grüße


Martina Diel


Ich bin gespannt, was jetzt passiert. Bzw. ob jetzt was passiert.


Kleines Update: Für die weiteren Schritte brauche ich Informationen von der Bewerberin - die sind angefordert, aber noch nicht eingetroffen. Daher: bitte noch Geduld.



Wieder einmal begegnet mir in den Weiten des Internet ein Mensch, der mit seinen Bewerbungsanschreiben hadert.
Das Ziel ist der Verkauf - Einzelhandel oder Versand - nachdem trotz passender Ausbildung bisher nur ein Job im Callcenter erreichbar war.
Was kann man tun?
Vielleicht das Anschreiben verändern?
Das war der Ausgangszustand.

Bewerbung auf das Stellenangebot Verkaufsberaterin


Sehr geehrte Frau G,

Ihrer Stellenanzeige auf der informativen, firmeneigenen Website vom 21.06.2015 ist zu entnehmen, dass Sie hohe Ansprüche an die Kundenorientierung und Fachberatung im Service stellen.


Hm. Was sie verlangen, das weiß der Leser aus dem Unternehmen selbst. So wirkt das hier nur wie ein (über-)lautes Signal: Ich habe die Anzeige gelesen! Ja!

Genau das ist auch mein Anspruch an mein Arbeitsumfeld sowie die Tätigkeiten, die ich in eben dieser Umgebung ausführe.


Da fängt der Bewerber gleich als erstes damit an, was er für einen Anspruch er an sein Umfeld hat. stirnrunzel


Zudem verfüge ich über eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung als Kauffrau im Einzelhandel.


Okay, das ist relevant. Kann man lassen.

Durch meine bisherigen beruflichen Tätigkeiten im Call-Center-Bereich habe ich während der Beantwortung von Pre-Sales-Anfragen, der Reparaturauftragserstellung im Falle eines technisches Defektes und vielen weiteren funktionalen Kundenanliegen bereits viele praktische Fähigkeiten und Kenntnisse sammeln können.


Welche beruflichen Tätigkeiten? Konkreter ist immer besser. Gleiches gilt für die "vielen praktischen Fähigkeiten und Kenntnisse".


Dabei habe ich festgestellt, dass die direkte Fachberatung und Kommunikation mit unterschiedlichen Gesprächspartnern genau das ist, was ich in Zukunft in Ihrem Cyberport Store L umsetzen möchte, um nun die Dienstleistungserfahrungen mit dem erlernten Verkaufswissen zu verbinden.


Hier passiert wieder etwas ganz Typisches: der Bewerber argumentiert mit dem, was er möchte, statt mit dem, was er dem Unternehmen durch seine Mitarbeit an Nutzen liefern kann.
Die Kommunikatin und die Dienstleistungserfahrungen, okay - aber was ist bitte "Verkaufswissen"?


Dafür bringe ich Leidenschaft für moderne Medien sowie deren Vernetzung miteinander und Fachkenntnisse im Bereich Unterhaltungselektronik (besonders Smart-TV) mit. Mit der Bearbeitung von Reklamationen der Weißen Ware bin ich ebenfalls vertraut.


Okay, das ist verwertbar - wenn auch überzeugender wäre, woher diese Leidenschaft und die Erfahrungen stammen.

Ein weiterer Grund, warum ich die richtige Wahl für Sie bin, ist meine flexible Einsetzbarkeit, stetige Einsatzbereitschaft sowie permanente Lernbereitschaft.


Für den Leser vorwegnehmen, dass man die richtige Wahl ist - hm, Selbstbewusstsein in allen Ehren, aber das klingt doch ein bisschen dick aufgetragen.
Vor allem dann, wenn mit (nur behaupteter, nicht illustrierter) Einsetzbarkeit, Einsatz- und Lernbereitschaft begründet wird. Das sind Dinge, die man voraussetzen muss, so wie die Fähigkeit, sich die eigenen Schuhe zuzuschnüren.

Zurzeit verschaffe ich mir eine Übersicht der neuesten Geräteentwicklungen und diversen Produktpaletten via regelmäßiger Internetrecherche und habe seit einiger Zeit Ihren offiziellen Newsletter abonniert.


Naja...

Ihre Profilanforderungen und die gebotenen, beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten reflektieren genau meine Überzeugung, dass Sie der passende Arbeitgeber sind.


Liest sich wie "Liebes Unternehmen, du hast Glück, dass du dich für mich als Arbeitgeber qualifiziert hast."
Auch wenn es schon heute in bestimmten Bereichen des Arbeitsmarktes einen Fachkräftemangel gibt, so gilt das nicht für Bewerber ohne einschlägige Berufserfahrung.

Daher ist mir auch ein kurzfristiger Einstieg bei Ihnen möglich, um zu beweisen, dass ich eine wertvolle Bereicherung für Ihr Team bin.


Okay.

PS: Danke, dass Sie meiner Bewerbung bis hierher Ihre Aufmerksamkeit gewidmet haben. Nun würde ich mich freuen, wenn wir uns persönlich kennenlernen könnten. Rufen Sie mich doch gleich an, unter: (49) xxx- xxxxxxx


Das klingt einerseits erfrischend angesichts der sonst üblichen Behördendeutsch-Verschwurbelungen, andererseits wie aus einem Ratgeber abgeschrieben: "Am Ende unbedingt einen Call for action setzen".
Und außerdem: ein PS kommt, wenn man schon damit arbeiten will, unter die Unterschrift.

So. Das war die Kritik - morgen folgen die Verbesserungsvorschläge.

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